Die folgenden Zeilen werden wahrscheinlich etwas kontrovers, und womöglich drücke ich mich sogar mal falsch aus. Ich hoffe, dafür werde ich nicht sofort aus der Familie ausgeschlossen!
Gestern (oder so) hat ein männlicher Physiker auf einem Workshop (Gender and physics, oder so) seine Ansicht geäußert, dass Männer, nicht Frauen, diskriminiert werden in Physik (https://www.bbc.com/news/world-europe-45709205). Als Beleg brachte er (u.a.) verschiedene Jobanzeigen, auf die sich nur Frauen bewerben dürfen, oder längere Klausurzeiten, um Frauen zu unterstützen. Vor allem aber zeigte er eine Abbildung, die belegt, dass (gegenwärtig) Männer länger viel publizieren als Frauen. Daraus schlussfolgerte er, zum Erstaunen des sehr weiblichen Auditoriums, dass Männer diskriminiert werden.
Soweit so skuril. Als Reaktion hat nun CERN diesen Physiker "suspendiert" (was sie so gar nicht können, da er nicht über CERN angestellt ist, aber das ist jetzt erst einmal egal). In der Begründung schreiben sie, "bla bla bla inclusive, diverse, bla bla bla". Auf die Aussagen gehen sie nicht ein.
Jetzt kommt mein ersten Punkt, Achtung: Wenn eine Frau "Diskriminierung!" ruft, dann wird in den sog. sozialen Medien beklagt, wie unfair die Berufswelt gegenüber Frauen ist. Wenn ein Mann das ruft, dann gibt es einen Aufschrei, dass das jawohl eine sexistische Äußerung sei. Bevor Ihr mir jetzt gleich den Kopf abreißt: Ja, natürlich werden Frauen immer noch diskriminiert, und das ist falsch! Aber ich finde es okay, dass nicht jeder Beruf und jede Position zur Hälfte mit Frauen und Männern besetzt ist. (Und wenn wir das erreicht hätten, was käme dann: eine Quote für sexuelle Orientierung, für Haut- und Augenfarbe, für Religion und Essgewohnheiten?) Wenn >80% aller GrundschullehrerInnen weiblich sind, muss ich das dann als Diskriminierung von Männern werten? Wenn sich auf eine Stelle vor allem Männer oder Frauen bewerben, muss ich dann diese Stelle irgendwie so umdefinieren, dass sie beiden Geschlechtern gleich schmackhaft ist?
Also: wenngleich dieser Physiker wahrscheinlich Unrecht hat (und die geringere Produktivität der Frauen in der späteren Karriere vielleicht gerade diese Diskriminierung zeigt, die er negiert), wieso darf er nicht in Ruhe solchen Unsinn verzapfen? Wieso wird ihm das nicht als normaler Blödsinn vorgeworfen, sondern als Sexismus; wohingegen der Sexismus-Vorwurf nicht als Sexismus anerkannt wird.
Jetzt kommt mein zweiter Punkt: Wir alle machen Fehler, wir alle reden manchmal über Dinge, von denen wir keine Ahnung haben, wir alle sind manchmal (hoffentlich ohne es zu wollen) rassistisch, sexistisch, altersdiskrimierend, äußerlichkeitenfixiert und andere Formen von diskriminierend. Und darauf sollte unsere Umwelt uns auch hinweisen, damit wir dieses Fehlverhalten so gut wie möglich korrigieren (Danke, L.A.D.!). Aber muss es denn gleich die größtmögliche Kanone sein? Reicht es nicht, den Physiker zum Nachdenken und Entschuldigen anzuhalten, ja vielleicht sogar zunächst einmal die logische Unvollständigkeit seiner Argumente darzulegen? Nein, da wir er gleich "suspendiert", denn geschlechts-spezifischer Blödsinn ist anscheinend so schlimm wie die Shoa zu leugnen (und viiiiiel schlimmer, als für diktatorische und folternde Regime zu arbeiten: das tun ja doch sehr viele WissenschaftlerInnen).
Die Hysteriewelle (neudeutsch: shitstorm) rollt, der Typ bekommt ordentlich Gegenwind, und der weit überwiegende Teil davon (sagen wir ruhig: alles) ist nicht an Tatsachen orientiert, an Daten oder Mechanismen, sondern aufgepeitschte, dumme, beleidigte Emotion. Na toll, so gehen wir also jetzt mit Dummheit um?
Nehmen wir nur einmal an, der Physiker hätte Recht: aus nicht-diskriminatorischen Gründen interessierten sich weniger Frauen als Männer für Physik. Wäre es dann fair, die wenigeren Frauen zu einer unproportionalen Repräsentanz in der Physik zu führen? (Bitte als Beispiel die GrundschullehrerInnen bedenken: es geht mir nicht um die Physik.) Wäre es dann nicht wirklich unfair, wenn Männer "nur" 70% der Topjobs bekommen, obwohl sie 90% der ForscherInnen stellen? Im Augenblick erscheint mir unklar, weshalb Physikerinnen (und Försterinnen und Ingenieurinnen und Hebammer und Kindergärtner) unterrepräsentiert sind, und m.E. sollten wir das erst einmal verstehen, bevor wir wilde Schuldzuweisungen unternehmen.
An der Uni Freiburg gab es eine Untersuchung, wie das männlich/weiblich Verhältnis sich verändert, vom BSc, über den MSc zum PhD zur PostDoc zur Professur. Die Umweltfakultät war eine von ganz wenigen, in der dieses Verhältnis sich zu Gunsten von Frauen verschob (allerdings erst ab dem PhD). Da geht was! Aber wenn in Physik nur 15% Frauen anfangen, dann kann man doch den Strukturen dort nicht den Vorwurf machen, wenn auch nur 15% ProfessorInnen werden, oder? (Tatsächlich waren Physik/Mathe auch ziemlich gut für die Frauenquote; am schlechtesten waren nicht die Technik, sondern die Sprachen, Bio, Philosophie und Wirtschaft.)
Ich bin fest davon überzeugt, dass die beiden biologischen Geschlechter einen Einfluss auf verschiedene Eigenschaften des Menschen haben, und entsprechend auch in manchen Berufen das Männer-Frauen-Verhältnis nicht 1:1 ist. Das ist okay. Wichtiger ist, dass alle die wollen in jedem Beruf eine gleiche Chance haben.
Ach ja, Punkt 3: Was, wenn sich der Fairnessanspruch der Gesellschaft und der Effizienzgedanke widersprechen? Wenn also, wie der Physiker von oben meint, Männer mehr physikalische Erkenntnis pro Person produzieren wie Frauen? Dürfen wir dann, als Gesellschaft, eine höhere Männerquote zulassen? (Okay, das war einfach: Nein.) Etwas schwieriger: Sollen wir, um einen höheren Anteil eines Geschlechts zu erreichen, die Anforderungen umdefinieren, auch wenn dadurch die internationale Wettbewerbsfähigkeit leidet? (Okay, auch das war einfach: Nein.) Das heißt, wir müssen uns, geschlechterübergreifend, einigen, was die Standards sind, was gefordert ist, wo die Latte liegt. Und wenn dann mehr Männer oder Frauen über diesen Standard springen, dass ist das keine Diskriminierung!
(Interessanterweise gibt es sehr viele twitter-Meldungen von Physikerinnen, die sagen, dass es in der Physik keine Diskriminierung gibt. Toll! Dann können wir ja beruhigt zu Bette gehen, und akzeptieren, dass das Fach Männern mehr Freude zu bereiten scheint als Frauen, und dann ist dies keine sexistische Aussage.)
Okay, ein Foto lade ich auch noch hoch, als eyecandy:
(Wir, drei Männer, diskutierten Gaussian Processes, wie man sieht.)
Kinderlos ...
Dienstag, 2. Oktober 2018
Freitag, 14. September 2018
Kürbisse
Also nicht aus dem "Weinviertel" nördlich von Wien. Hier wachsen Kürbisse auf Feldern wie Zuckerrüben (die hier auch wachsen): Dutzenden, Hunderte, Tausende Kürbisse, mehr oder weniger in Reih und Glied. Jetzo wird geerntet. Dazu fährt/geht (ich weiß es nicht) jemand durch den Acker voller Kürbisse und verwelkender Blätter und Stiele, schneidet die Kürbisse raus und rollt sie in Reihen zusammen.
Dann kommt allerdings der etwas überraschende nächste Schritt: Ein Kürbistrecker fährt über die Reihen, sammelt die Kürbisse auf -- zerquetscht sie, filtert die Kerne heraus und sproddert den Rest wieder aufs Feld!
Also die Kürbisse sind okay, sagt der lokale Bauer: schmecken gut, sind reif und so weiter, aber wer soll denn tausende Kürbisse je Acker essen? Man nehme ein paar mit nach Hause, der Rest wird dem Acker gleich als Düngung fürs nächste Jahr wieder "zugeführt". Ziel der ganzen Kürbisernte sind also die Kürbiskerne. Es lohnt sich die Frage, welche arme Sau jetzt diese ganzen grünen Flachkerne knacken und auspulen muss (also der eigentliche Kern ist in dem dunkelgrünen Kern, und das dunkelgrüne ist die verholzte Samenschale)?
Und heute wird dereo Ölkürbis eben auch außerhalb der Steiermark angebaut, etwa im Weinviertel nördlich Wiens und außer Öl wird auch noch der Zuckerzahn bedient, etwa mit Zartbitterschokoladenkürbiskernen (hmmm): https://www.berghofer-muehle.at/produkt/kuerbiskerne-zartbitter-mit-kaffee/
(Hab ich jetzt leider aufgegessen, sorry.)
Also: toll! Bei uns wächst Tabak, in Wien der Kürbiskern und in Argentinien das Steak. Wie schön der liebe Gott die Gaben verteilt hat. Zum Wohlfühlen noch ein weiters Bild, close-up, zum Ausdrucken und in die Küche hängen.
Donnerstag, 13. September 2018
Wien, Stadt an der Donau
Wie toll ist Wien! Oder eher: Wie toll ist Wien?
Wie das so ist: Wenn etwas gehypt wird, dann kann es nur schlechter werden. Und so ist Wien voller Touristen, so dass ich vor lauter Ausweichmanövern in der Fußgängerzone die ach-so-tollen Gebäude nicht wahrnehme, vor lauter Selfiesten die Prunkbauten nicht schätze, vor lauter Stadtgeführten die Cafes nicht benutze. Das typische Gericht (sei es Innereien von Masttieren, Wiener Schnitzel, Palatschinken) ist gemüsefrei und salatlos, dafür saucengetränkt. Der Bäcker verkauft vornehmlich Croissants und Sahnetorten, und die erfreulichen Getränkeläden verkaufen leckeren Gemüse-Obst-Saft und nicht Melange. Durch die Altstadt fließt, nein nicht die Donau, sondern der Donaukanal, milchig grün, mit steiler Betoneinfassung und ohne Grün.
Heute bin ich dann zur Donau aufgebrochen. Ist nicht ganz einfach, mit zweimal Tram wechseln, und dann noch 15 Minuten durch Industriestraßen laufen, um dann an einem sehr großen Fluss anzukommen, dessen Ufer als Promenadenpark von der Stadt durch Gleise getrennt ist, über die man alle 1.5 km hinüberkommt, um dann im Nirgendwo, einer Hochhaussiedlung oder einem Banken-Einkaufspalast zu stehen. Nicht so arg charmant.
Gestern abend, beim Abendessen mit J. an einem Platz entlang einer vielbefahrenen Straßen außerhalb der Innenstadt, hat Wien dann seinen besonderen Charakter offenbart. Ähnlich wie Pforzheim, Berlin oder Frankfurt wurde die 3-spurige Straße zu Autorennen genutzt, zum Anfahren mit quietschenden Reifen, zum Machogehupe und aggressiven Autoangeben. FussgängerInnen an den Ampeln wurden gleichzeitig vorne und hinten umfahren, während selbst Fahrradfahrer mit suizidaler Absicht die Fahrradspur wegen Überfüllung mit pöbelnden Autofahrern mieden.
Jetzt kommt der unangenehme Teil: Offensichtlich angesteckt durch die rechtsextreme Gesinnung der Österreicher muss ich feststellen, dass ich ausschließlich "südländische" Raser gesehen habe. Natürlich alles Männer, klar, so bescheurt können Frauen gar nicht sein, aber und den werten XY-Chromosomenträgern ausschließlich schmierhaarige, rauchende, o-beinige, hirn-tiefergelegte, dunkelhaarige und südländisch-braunhäutige Vorderasiaten.
Wie erfreut war ich heute morgen, Männer des gleichen Schlags fahrradfahrend oder in der Tram zu sehen, kinderwagenschiebend oder auf dem lokalen Markt einkaufend. Nachdem ich gestern abend wieder die Zukunft der Erde wegen Dummheit und Desinteresse ihrer Hauptbewohner abgeschrieben hatte, gab es heute, vorübergehend, ein paar Lichtblicke. Wenn das Auto des Deutschen liebstes Kind ist, dann sicherlich auch des Österreichers; nein, keine Genderisierung nötig.
TL; DR: Lieber Berge als Wien.
Wie das so ist: Wenn etwas gehypt wird, dann kann es nur schlechter werden. Und so ist Wien voller Touristen, so dass ich vor lauter Ausweichmanövern in der Fußgängerzone die ach-so-tollen Gebäude nicht wahrnehme, vor lauter Selfiesten die Prunkbauten nicht schätze, vor lauter Stadtgeführten die Cafes nicht benutze. Das typische Gericht (sei es Innereien von Masttieren, Wiener Schnitzel, Palatschinken) ist gemüsefrei und salatlos, dafür saucengetränkt. Der Bäcker verkauft vornehmlich Croissants und Sahnetorten, und die erfreulichen Getränkeläden verkaufen leckeren Gemüse-Obst-Saft und nicht Melange. Durch die Altstadt fließt, nein nicht die Donau, sondern der Donaukanal, milchig grün, mit steiler Betoneinfassung und ohne Grün.
Heute bin ich dann zur Donau aufgebrochen. Ist nicht ganz einfach, mit zweimal Tram wechseln, und dann noch 15 Minuten durch Industriestraßen laufen, um dann an einem sehr großen Fluss anzukommen, dessen Ufer als Promenadenpark von der Stadt durch Gleise getrennt ist, über die man alle 1.5 km hinüberkommt, um dann im Nirgendwo, einer Hochhaussiedlung oder einem Banken-Einkaufspalast zu stehen. Nicht so arg charmant.
Gestern abend, beim Abendessen mit J. an einem Platz entlang einer vielbefahrenen Straßen außerhalb der Innenstadt, hat Wien dann seinen besonderen Charakter offenbart. Ähnlich wie Pforzheim, Berlin oder Frankfurt wurde die 3-spurige Straße zu Autorennen genutzt, zum Anfahren mit quietschenden Reifen, zum Machogehupe und aggressiven Autoangeben. FussgängerInnen an den Ampeln wurden gleichzeitig vorne und hinten umfahren, während selbst Fahrradfahrer mit suizidaler Absicht die Fahrradspur wegen Überfüllung mit pöbelnden Autofahrern mieden.
Jetzt kommt der unangenehme Teil: Offensichtlich angesteckt durch die rechtsextreme Gesinnung der Österreicher muss ich feststellen, dass ich ausschließlich "südländische" Raser gesehen habe. Natürlich alles Männer, klar, so bescheurt können Frauen gar nicht sein, aber und den werten XY-Chromosomenträgern ausschließlich schmierhaarige, rauchende, o-beinige, hirn-tiefergelegte, dunkelhaarige und südländisch-braunhäutige Vorderasiaten.
Wie erfreut war ich heute morgen, Männer des gleichen Schlags fahrradfahrend oder in der Tram zu sehen, kinderwagenschiebend oder auf dem lokalen Markt einkaufend. Nachdem ich gestern abend wieder die Zukunft der Erde wegen Dummheit und Desinteresse ihrer Hauptbewohner abgeschrieben hatte, gab es heute, vorübergehend, ein paar Lichtblicke. Wenn das Auto des Deutschen liebstes Kind ist, dann sicherlich auch des Österreichers; nein, keine Genderisierung nötig.
TL; DR: Lieber Berge als Wien.
Donnerstag, 6. September 2018
Regen
Den ganzen Sommer war es trocken. Immer. Morgens, mittags, abends, nachts. Dann war es noch dazu heiß. Wir fuhren ganz früh morgens zur Arbeit, um dann dort in der Hitze zu braten. In meinem Büro waren es so kurz vor Mittag zwischen 35 und 40 Grad, trotz heruntergelassener Jalousie (drinnen, so dass die Hitze zwar reinkommt, es aber wenigstens dunkel wird). Ich habe dann das nasse Handtuch über den Standventilator gehängt und alle 20 Minuten nachgefeuchtet. Vor dem Ventilator eine Pfütze, von morgens bis Feierabend. Dann habe ich die Unkrautspritze von zu Hause mitgenommen, ohne Gift, versteht sich, und locker mit der rechten Hand feinen Nebel auf den Ventilator gesprüht, bis alle Papiere, der Schreibtisch, die Tastatur, die Brille, der Unterarm und der Bildschirm von einem feinen feuchten Film überzogen waren. Dann habe ich die Jalousie benebelt. Das ist eine erhebliche Fläche, sicherlich 3 x 4 m, und mit der Spritze konnte ich selbst in die letzte Ecke spritzen.
Als ich aus dem Flur hereinkam, war der Effekt bemerkenswert: unverändert warm, dafür aber 100% Luftfeuchtigkeit. Also Jalousie hoch, Fenster auf, Ventilator auf Stufe 3 (von 3) -- und es wurde trocken-heißer. Ich entschloss mich zu leiden.
Jetzt, nach dem Urlaub, den wir extra in einen vom Atlantik heruntergekühlten Teil Europas gelegt hatten, setzt die Kühle ein. Angeblich hat es in unserer Abwesenheit geregnet, obwohl der Rasen so aussieht, als hätte die Nachbarin nur Wasser in unseren Regenmelder geschüttet, um uns zu beruhigen. Noch eine weitere Woche der Trockenheit, und jetzt, heute Abend, echter Regen, beruhigend dauerhaft und großtropfig, mit dunklem Himmel und Kühle, wahrscheinlich für die nächsten Wochen.
Doch nein: der blog ist noch nicht zu Ende geschrieben, da hat auch der Regen ausgesetzt. Ach weiste, ist mich echt total egal; Regen, Sonne, Kälte, Hitze, ich radel sowieso zur Arbeit (drinnen) und danach nach Hause. Der Berg macht warm, egal wie das Wetter ist!
Als ich aus dem Flur hereinkam, war der Effekt bemerkenswert: unverändert warm, dafür aber 100% Luftfeuchtigkeit. Also Jalousie hoch, Fenster auf, Ventilator auf Stufe 3 (von 3) -- und es wurde trocken-heißer. Ich entschloss mich zu leiden.
Jetzt, nach dem Urlaub, den wir extra in einen vom Atlantik heruntergekühlten Teil Europas gelegt hatten, setzt die Kühle ein. Angeblich hat es in unserer Abwesenheit geregnet, obwohl der Rasen so aussieht, als hätte die Nachbarin nur Wasser in unseren Regenmelder geschüttet, um uns zu beruhigen. Noch eine weitere Woche der Trockenheit, und jetzt, heute Abend, echter Regen, beruhigend dauerhaft und großtropfig, mit dunklem Himmel und Kühle, wahrscheinlich für die nächsten Wochen.
Doch nein: der blog ist noch nicht zu Ende geschrieben, da hat auch der Regen ausgesetzt. Ach weiste, ist mich echt total egal; Regen, Sonne, Kälte, Hitze, ich radel sowieso zur Arbeit (drinnen) und danach nach Hause. Der Berg macht warm, egal wie das Wetter ist!
Dienstag, 4. September 2018
Kein Hirn, nirgends
Es ist bisher nicht meine Art gewesen, und wird es auch in Zukunft nicht sein, Alkohol zu loben. Das ganze Brimborium, das man um Whisky oder Wein oder meinetwegen Zibärtle (Pflaumenschnaps) machen kann, ist ja vor allem ein Hobby, genau wie Briefmarken oder Münzen sammeln. Windsurfer reden übers Material, Jogger übers Trainingsprogramm und die Ernährung, couchpotatoes über Serien ("echt gut gemacht"), Quadrataugen über Händies und Grafikkarten und Die Frau über Salatöle. Die Frage ist ja eher, ob man die Energie- und Hirnleistung, die in dieses (offensichtlich sinnlose) Spezialwissen investiert wird, nicht irgendwie ernten und zum Nutzen der Menschheit verwenden könnte.
Die Antwort ist ganz klar: Nein!
Allerdings würde ich nicht so argumentieren, dass Sammeln (im weiteren Sinn) eine Freizeitbeschäftigung ist, in der überhaupt gar kein Hirn eingesetzt wird, sondern so, dass die Welt nicht gerettet werden will! Es ist nur wahrlich nicht so, als hätten wir nicht alle schon in alten und neuen Büchern gelesen, was sinnvoll ist, wie sich jedeR Einzelne und jedes Volk und jedeR wasdennauch verhalten sollte, damit es weniger Elend auf der Welt gibt. Und entsprechend würde es auch nicht helfen, wenn die Hobby-Hirne produktiv für die Weltrettung denken würden: es käme nichts Neues dabei heraus. Wir haben, ganz klar, ein Umsetzungsdefizit, kein Wissensdefizit (obwohl das bei manchen Großbogenpissern nicht ganz klar erkennbar ist).
Tatsächlich wird anders herum daraus ein Schuh: Wir fröhnen der Whisky/Wein/Blumen/Münzen/Salatöldifferenzierung eben damit wir NICHT denken und dann gar handeln müssen!
Tatsächlich habe ich erst angefangen regelmäßig Wein zu trinken, seit ich weiß, dass ich damit Tausende Hirnzellen kaputtmache: Je weniger ich denken kann, desto weniger komme ich in die Verlegenheit zu erkennen, dass Handeln, nicht Denken, das Gebot der Stunde wäre.
(Und überhaupt: was soll ich schon handeln?)
In den letzten Büchern, die ich gelesen habe (Ha! Noch so ein hirnloser Zeitvertreib!), war ich am meisten angetan von den Menschenhandlungsreflektierern. Der/die rumsitzende, sich umschauende, die innere Verfassung aus dem äußeren Handeln anderer Menschen ableitende Person, natürlich immer total richtig und lebensweise, die für ihr eigenes Leben nur noch auf einen leckeren Nachtisch oder einen Fencheltee hoffen kann. In Wirklichkeit habe ich die noch nicht getroffen. Tochter L. hat so eine Neigung, aber irgendwann fängt's dann doch an zu kribbeln, und es muss was geschehen, und wenn es ein gemeinsames Erörtern des Handelns anderer ist.

(Die auf dem Bild tranken Die Frau und ich in Baumes-les-Messieurs, und der war gut! -- Glaube ich. Der schlechte Wein zwei Tage später hat die entsprechenden Erinnerungszellen ...)
Montag, 3. September 2018
Das leere Haus
Und plötzlich sind alle weg!
Es hat sich ja angedeutet, schon als A. auszog (na ja, technisch gesehen sind ja wir anderen ausgezogen, und A. ist geblieben). Das neue Heim war schon von Anfang an etwas leerer.
Aber jetzt, mit L. am anderen Ende der Welt, und F. in befreundeten Ausland, beide schnell nacheinander, jetzt ist es schon nochmal deutlich erkennbarer, dass das NEUE LEBEN ohne Kinder im Haus Umstellungen bedeutet. Umstellungen im Tagesablauf, im Essen, in der abendlichen Aktivität, und vor allem beim Belehren anderer Leute: jetzt, wo die Kinder weg sind, wer hört mir jetzt noch zu?
Vielleicht wird es gar nicht so schlimm. Vielleicht füllt sich der blog in den nächsten Monaten mit zunehmend euphorischer werdenden Mitteilungen über eine NEUE FREIHEIT.
Heute, am Arbeitstag 1 der häuslichen Kinderlosigkeit, habe ich zur Feier erst einmal den Abend zum Arbeiten genutzt: STRIKE!
Es hat sich ja angedeutet, schon als A. auszog (na ja, technisch gesehen sind ja wir anderen ausgezogen, und A. ist geblieben). Das neue Heim war schon von Anfang an etwas leerer.
Aber jetzt, mit L. am anderen Ende der Welt, und F. in befreundeten Ausland, beide schnell nacheinander, jetzt ist es schon nochmal deutlich erkennbarer, dass das NEUE LEBEN ohne Kinder im Haus Umstellungen bedeutet. Umstellungen im Tagesablauf, im Essen, in der abendlichen Aktivität, und vor allem beim Belehren anderer Leute: jetzt, wo die Kinder weg sind, wer hört mir jetzt noch zu?
Vielleicht wird es gar nicht so schlimm. Vielleicht füllt sich der blog in den nächsten Monaten mit zunehmend euphorischer werdenden Mitteilungen über eine NEUE FREIHEIT.
Heute, am Arbeitstag 1 der häuslichen Kinderlosigkeit, habe ich zur Feier erst einmal den Abend zum Arbeiten genutzt: STRIKE!
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